Rahmenkonzept

DHB Rahmenkonzept zur Grundlagenausbildung von Kindern und Jugendlichen im Handball




Kinder- und Jugendhandball in Modernen Zeiten

Statt aktiver Bewegung wird heute eher passiv konsumiert:

Untersuchungen belegen, dass Kinder heute in ihrer Freizeit bis zu 30 Stunden pro Woche vor dem Fernseher oder Computer sitzen.Natürlich sieht dies in ländlichen Regionen noch anders aus, doch längst ist der Vereinssport nicht mehr die einzige Alternative.

Die Reizüberflutung unserer Modernen Mediengesellschaft tut ein Übriges. Nicht selten fallen Jugendtrainern im Vereinstraining psychisch instabile, unruhige oder sogar unkonzentrierte Kinder auf.

Beachtet werden muss auch der in den letzten Jahrzehnten vonstatten gegangene Wertewandel in unserer Gesellschaft: Materielle Güter sind wichtiger als z.B. soziale Werte.

Oft verdrängen egoistische, individuelle Ansichten zwischenmenschliche Bezüge und Beziehungen.

Kinder und Jugendliche orientieren sich nicht nur bei sportlichen Aktivitäten immer häufiger an Äußerlichkeiten. Geld spielt dabei zunehmend keine Rolle mehr, kurzlebiges "Konsumieren ist gefragt.

Immer häufiger sind solche Sportarten und Aktivitäten gefragt, die keine Verpflichtung (z.B. kontinuierliche, pünktliche Teilnahme am Vereinstraining, "Verantwortung" für die Mannschaft usw.) mit sich bringen. Immer schneller werden sportliche Aktivitäten aufgegeben, wenn Anstrengung und Mühe gefragt sind, um bestimmte Ziele zu erreichen.

Aber auch Veränderungen im Familiengefüge beeinflussen das Verhalten von Heranwachsenden heute nicht unerheblich. Längst ist die Familie nicht mehr der alleinige Hort für das Bedürfnis der Kinder nach Wärme und Geborgenheit.Im Gegenteil: Eltern haben heute z.B. angesichts wachsender beruflicher Anforderungen immer weniger Einfluss auf die Persönlichkeitsentwicklung ihrer Kinder!

Leistung in Schule und Beruf ist heute oft Gradmesser für menschliche Qualität, entsprechend wird der "Druck" schon auf Kinder immer größer. Die Woche der 9- bis 12 jährigen ist nicht selten komplett verplant: Neben die Schule treten Ballett- und Musikkurse, Nachhilfestunden zur Leistungsverbesserung sowie verschiedene Sportaktivitäten. Insgesamt neigen viele Eltern dazu, immer größere Anforderungen an ihre Kinder zu stellen.

Viele Trainer und Übungsleiter werden heute mit übertriebenem Erfolgsdenken solcher Eltern konfrontiert. Der "Sieg um jeden Preis" steht im Vordergrund. Auch ein verantwortungsbewusster Trainer, dem die langfristig geplante Entwicklung seiner Spieler wichtiger als der kurzfristige Mannschaftserfolg ist, steht bei Eltern meist nicht hoch im Kurs.


Was ist das Jugendrahmenkonzept 2020?

Zielsetzung des Rahmentrainingsplanes:

Alle Voraussetzungen dafür schaffen, dass Kinder und Jugendliche langfristig, gesund und gut vorbereitet Handball in jeglicher Ausprägung betreiben können.

Eine Personen orientierte pädagogische Betreuung von Kindern und Jugendlichen im Verein durch entsprechend qualifizierte Betreuer und Trainer sicherstellen.

Ein Fähigkeitsorientiertes Training im Nachwuchsbereich forcieren, in dem Inhalte nach biologischem Entwicklungsstand und unter dem Aspekt eines langfristigen Trainingsaufbaus ausgewählt werden.

Dafür sorgen, dass über weite Strecken des Jugendtrainings die Maxime einer vielseitigen motorischen Grundausbildung im Training auch tatsächlich ihre Berücksichtigung findet.

Kinder und Jugendliche nicht zu früh in ein "taktisches Korsett" pressen, sondern ihre individuellen Eigenschaften und Fertigkeiten gezielt und bewußt fördern.

Motivationsverluste bei Nachwuchsspielern [Drop-Out-Problematik] aufgrund eines frühspezialisierten Trainings vermeiden.

Sicherstellen, dass sich die technisch-taktische Ausbildung von Nachwuchsspielern an der Perspektive einer deutschen Spielauffassung [Entwicklung von Allroundern, Kreativspiel] orientiert.

Das DHB- Rahmenkonzept für das Nachwuchstraining basiert auf zwei Grundpfeilern:

Spielfähigkeit

- Trainingsprinzipien

In den entsprechenden Erläuterungen auf den Seiten wird teilweise schon auf Möglichkeiten zur Anpassung an unsere Gegebenheiten eingegangen.

Auf den unten folgenden Seiten sind die inhaltlichen Schwerpunkte für die einzelnen Jahrgangsstufen noch einmal so zusammengestellt, wie sie nach der DHB-Rahmenkonzeption für den langfristigen Trainingsaufbau vorgesehen sind.

Die allgemeinen Leitlinien werden vorangestellt, der Bereich "Gruppen/Mannschaftstaktik" wird in die Schulungsschwerpunkte Angriff & Abwehr aufgeteilt.


Minis / E-Jugend Rahmentrainingskonzeption
D-Jugend Rahmentrainingskonzeption
C-Jugend Rahmentrainingskonzeption
B-Jugend Rahmentrainingskonzeption
A-Jugend Rahmentrainingskonzeption


Rahmenkonzept

Mini / E-Jugend Minis / E-Jugend Rahmentrainingskonzeption Trainingsinhalte Allgemeine Leitlinien:

breite motorische Grundausbildung keine taktischen Zwänge Grundprinzip:

freies Spiel Animation Kondition/Koordination:

elementare Schnelligkeitsfähigkeiten Koordination ohne/mit Ball spielerisches "Konditionstraining" vielseitige motorische Grundausbildung Technik/Individualtaktik:

Erwerb von Grundfertigkeiten (Laufen, Springen, Werfen, Klettern, Rollen usw.)

Erwerb von handballspezifischen Grundtechniken Grundregeln im Spiel (1 : 1)

Schulungsschwerpunkte

Angriff:

Minis: kreatives, freies Spielen hat absoluten Vorrang allgemeine Ordnungsprinzipien

E-Jugend: Raumaufteilung ständiger Wechsel in die Tiefe freigewordene Räume besetzen Schulungsschwerpunkte

Abwehr:

Minis: Manndeckung spätestens ab Mitte des Spielfeldes

E-Jugend: Manndeckung sowohl ab Spielfeldmitte als auch in Tornähe (vor 9 m)

D-Jugend D-Jugend Rahmentrainingskonzeption Trainingsinhalte Allgemeine Leitlinien:

günstige Voraussetzungen (vorpuberale Phase) zum Bewegungslernen nutzen

vielseitiges Techniklernen

Förderung der Kreativität

Kondition/Koordination:

elementare Schnelligkeitsfähigkeiten

allgemeines/spezifisches Koordinationstraining

vielseitige motorische Grundausbildung

spielerisches aerobes Ausdauertraining

Technik/Individualtaktik:

weiterer Erwerb von Grundfertigkeiten

weiterer Erwerb von handballspezifischen Grundtechniken

Schulungsschwerpunkte

Angriff:

Spiel 1 : 1 in großen Räumen

Freilaufen, Positionswechsel

Gegenspieler binden, dann abspielen (Zusammenspiel)

Raumaufteilung in Breite/Tiefe Schulungsschwerpunkte

Abwehr:

Manndeckung in Tornähe (vor 9 m)

1 : 5 - Abwehr

Persönlichkeit:

Vermittlung von Spaß und Freude Herausbildung eines Körperbewusstseins Entwicklung der individuellen Leistungsfähigkeiten

C-Jugend C-Jugend Rahmentrainingskonzeption Trainingsinhalte Allgemeine Leitlinien:

keine Positionsspezialisierung

vielseitige Grundausbildung

Grundlagen der Spielfähigkeit ("Mehr Spielen als Üben")

Kondition/Koordination:

Ganzkörperstabilisation

Lauf-/Sprung-ABC

spielerisches aerobes Ausdauertraining

allgemeines/spezifisches Koordinationstraining

Technik/Individualtaktik:

Technikvariationen = "Wie" - Entscheidungen

Feinformung der Bewegungskombination Stoßen / 1 : 1 (Täuschungen)

Torwurftechnik

Schulungsschwerpunkte

Angriff:

Einführung des 3 : 3 - Positionsspiels Positionswechsel Tiefe/Breite

Spiel 1 : 1 Grundformen der Gruppentaktik (2 : 2 auf verschiedenen Positionen)

schnelles Umschalten Abwehr/Angriff

Schulungsschwerpunkte

Abwehr:

1 : 5 - Abwehr/3 : 3 - Abwehr, Annäherung an 3 : 2 : 1 - Abwehr

situativ Formen der Manndeckung

Persönlichkeit:

Motivation = Leistungsmotivation & Handlungsorientierung positives, realistisches Selbstbild Integration Mannschaft

B-Jugend B-Jugend Rahmentrainingskonzeption Trainingsinhalte Allgemeine Leitlinien:

Positionsspezialisierung, aber keine einseitige Orientierung ("Allrounder")

Individualtaktik unter positionsspezifischen Gesichtspunkten

Weiterentwicklung der Spielfähigkeit

Kondition/Koordination:

allgemeines Muskelaufbautraining

spezielles Schnellkrafttraining durch Sprung- & Wurfübungen

aerob-anaerobe Grundlagenausdauer

Technik/Individualtaktik:

Technikanpassungen = "Was" - Entscheidungen

positionsspezifische Individualtaktik

Schulungsschwerpunkte

Angriff:

Weiterführung des Positionswechselspiels

Spiel mit verschiedenen taktischen Auslösehandlungen

variable Gruppentaktik (2 : 2, 3 : 3 mit Kreis usw.)

Gegenstoß 1./2. Welle

Abwehr:

3 : 2 : 1 - Abwehr (offensiv, ballbezogen)

bei Übergängen 4 : 2 -Abwehr oder Beibehalten der 3 : 2 : 1 - Abwehr

Persönlichkeit:

Kognition :

Vermittlung von Konzentration & Aufmerksamkeit Fähigkeit zur Selbstorganisation "Teamgeist" entwickeln

A-Jugend A-Jugend Rahmentrainingskonzeption Trainingsinhalte Allgemeine Leitlinien:

Positionsschulung :

Training auf taktisch anderen Positionen

Spielfähigkeit gegen unterschiedliche Deckungsformen & -Spielweisen

größere Präzision & höheres Spieltempo

Kondition/Koordination:

wettkampfspezifische, azyklische Spielschnelligkeit

reaktives Schnellkrafttraining 

wettkampfspezifische Spielausdauer

Technik/Individualtaktik:

Technikanpassungen unter konditionellen & taktischen Zusatzbelastungen

Schulungsschwerpunkte

Angriff:

gezieltes Weiterspielen nach verschiedenen taktischen Auslösehandlungen

Verkürzung der Aufbauphase (Spieltempo variieren) 

Weiterspielen aus der 2. Welle (Gegenstoß)

Abwehr:

3 : 2 : 1 - Abwehr, bei Übergängen 6 : 0 - Abwehr

6 : 0 - Abwehr

situationsgerechte Variationen (defensiv, offensiv, antizipativ)

Persönlichkeit:

Selbstregulation (z.B. mentale Stärke)

Willensqualitäten (z.B. Zweikampfstärke)

Ausbildung von Selbstvertrauen Ziel : "mündiger Spieler" = Ich-Stärke & Einordnung in die Mannschaft

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